Eine Bildbetrachtung im Dialog

Die Bildbetrachtung ist ein Thema, mit dem ich mich schon länger (mal mehr, mal weniger intensiv) auseinandersetze.
Ich habe auch nicht immer Lust beim Betrachten von Bildern zu denken. Manchmal möchte ich sie einfach wirken und fließen lassen.
Doch durch die Podcast-Folge #101 der Photologen wurde ich daran erinnert und bekam Lust mich wieder damit zu beschäftigen. 🙂

Der Austausch, Bilder gegenseitig aktiv zu Betrachten, ist bei mir in letzter Zeit etwas zu kurz gekommen. Dieser Blog fungiert für mich als Reminder und als Möglichkeit mich mit Themen oder Gedanken nochmal gezielt auseinanderzusetzen.

Wikipedia liefert bei der Definition einer Bildanalyse/-betrachtung auch die für mich passende Erklärung und Vorgehensweise.

Ich habe es für mich etwas reduziert und wenn ich ein Bild aktiv betrachte auch intuitiver gestaltet. Schliesslich sind es für mich persönliche Gedankenspiele und Eindrücke oder auch Schlüsse, die ich nicht unbedingt für andere aufschlüsseln muss.

Für mich unterscheide ich in eine aktive und eine passive Bildbetrachtung.

Bei der passive Betrachtung ist es ein Erleben, ein Geschehenlassen des Bildes ohne Analyse (wieso?weshalb?warum?), ohne viel denken oder interpretieren. Intuitiv erfassen und wirken lassen. …und mit den Gedanken einfach weiterziehen.

Mein Fahrplan für eine aktive Bildbetrachtung beinhaltet natürlich auch dieses intuitive Erfassen und Erleben. Nur füge ich dem eine Frage hinzu, oder eine persönliche Schlussfolgerung. Damit ich dabei nicht abschweife, habe ich mir ein Schema ausgedacht. Ähnlich wie bei einer geführten Meditation, leite ich mich durch die Betrachtung. Dabei kamen schon ganz eindrückliche Bildmomente zustande.

Bewußt Zeit nehmen.

Ablenkung ausschalten und auf das Bild fokussieren.

Das Bild als Ganzes betrachten. Ich schweife mit meinem Blick erstmal über den Bildrand.
Was stört mich / stört mich nicht. Horizont. Aufteilung. Licht. Kontrast. Perspektive. Technisches Erfassen.

Damit habe ich erstmal das technische für mich abgehandelt und kann mich ganz auf die Gefühlsebene begeben.

Wohin führt mich mein Blick? Was sehe ich zuerst? Was ist für mich das Hauptmotiv? Wohin führt mich als nächstes die Bildgestaltung?

Welche Wirkung hat es auf mich? Welche Stimmung löst es in mir aus? Schickt es mich auf eine Reise? Oder gibt es mit Antworten?

Nach solch einer intensiven Betrachtung bin ich regelmäßig überrascht wie sich meine Ansichten zu Bildern ändern. Diese Erkenntnisse können wiederum je nach Stimmung und Tagesform variieren.

Und jetzt kommt es! 😉

Ich möchte euch einladen meine Bilder zu betrachten. Eure Eindrücke in den Kommentaren oder per Email würden mich sehr interessieren. Kurz oder lang.

Im Gegenzug möchte ich anbieten eines eurer Bilder zu betrachten und euch zu schreiben.

Ich gebe zu… im alltäglichen „konsumieren“ von Bildern geht das bei mir einfach unter. Umso mehr würde mich über einen gezielten Austausch freuen.

Ich gebe mal zwei Bilder zur Auswahl. Ich konnte mich nicht entscheiden in welche Richtung es gehen soll… So lasse ich euch entscheiden. 🙂

Danke an alle, die mitmachen und auch an die, die einfach nur still mitmachen! ❤

12 Kommentare zu „Eine Bildbetrachtung im Dialog

Gib deinen ab

  1. Spannendes Thema! Ich habe mich, ohne Nachdenken, für das erste Bild entschieden (Anmerkung: Beide gefallen mir sehr gut). Ich weiß zwar nicht, ob ich gut darin bin; aber probieren schadet nicht. Das erste Bild wirkt auf den ersten Blick unruhig, aber ich finde den Halt in der Blüte, es zieht mich mit dem Blick dahin. Die Sonne im Hintergrund (Sonnenuntergang?) Ist ein zweiter Fixpunkt, ohne abzulenken. Ein wenig Helligkeit in der Dunkelheit. Es strahlt Ruhe aus!!

    1. Toll, dass du mitmachst!!!
      Vielen lieben Dank für deine Betrachtung!
      Du hast es richtig erkannt, es ist ein Sonnenuntergang. Ich finde es spannend deinem Gedankengang zu folgen. Wie dein Auge sich das Bild erklärt. Danke Dir!

      Magst du mir ein Bild zur Betrachtung vorgeben?

      1. Erster Gedanke, wow! Wunderschön.
        Es ist ein großes Motiv und um mich darin nicht zu verzetteln und alles zu erfassen gehe ich zum Grashalm links. Ich sehe den Morgenfrost glitzern. Ich wandere den Bildrand entlang und finde da im warmen Licht den zweiten Rahmen für die gefrorene Seifenblase. (Als biologieaffiner Mensch erinnert sie mich an eine Phase der Zellteilung. <3) Ich suche den Schärfepunkt, und folge dem Licht. Jetzt entdecke ich die Strukturen der Oberfläche und wandere links an der Frostschwelle entlang, rund um das "Fenster" um dann rechts die feinen Linien und Risse zu betrachten. Das Fenster lockert das Bild auf und gibt im eine Tiefe, eine zweite Ebene. Diese bleibt aber verborgen, da die Schärfe auf der Oberfläche liegt. Mein Blick zeichnet also das Unendlichkeitszeichen über der zweigeteilten Seifenblasen. Das Bild ist für mich warm und still und zeigt eine Zerbrechlichkeit. Für mich finde ich darin eine Symbolik: Leben – Unendlichkeit – Zerbrechlich

        😀 Danke dir!

  2. Tolles Thema, das bei mir auch viel zu oft untergeht.

    Das zweite deiner Bilder hat mich sofort gefesselt. Diese Augen deines Models… Hui!
    Ich mag es sehr, dass das Bild recht dunkel ist, bis auf das Gesicht, denn so kommt selbiges wunderbar zur Geltung. Die Licht-Schattenspiele auf dem Gesicht, in den Haaren und auf dem Oberteil sind faszinierend und sorgen dafür, dass das Bild auch bei längerer Betrachtung interessant bleibt. Aufbau, und Schnitt sind mMn stimmig und „typisch“ Portrait.
    Aber um Mal zu den Augen zurück zu kommen (das Hauptmotiv für mich). Auf mich wirkt ihr Blick gleichsam nachdenklich, wie einladend. Zusammen mit dem warmen Licht auf jeden Fall sehr anziehend.

    Liebe Grüße,
    Marie

    1. Toll, dass du mitmachst!
      Vielen lieben Dank für deine Bildbetrachtung. Ich freue mich, dass du dich für das Porträt entschieden hast. 😀
      Schön zu lesen wie dich die Augen „in den Bann“ ziehen. ❤

      Mit welchem Bild von dir darf ich mich revanchieren?

      Liebe Grüße
      Nicole

      1. Liebe Nicole,
        sehr gern!
        Hmm, such dir was aus, was dich anspricht (einfach auf meinen Nutzernamen klicken, dann kommst du zu meinem Blog)

        LG

  3. sehr spannend, wie die bluete der mittelpunkt eines herrlich beruhigenden bildes ist … ein anderes mal stoerend ablenkt.
    wenn ich die die schulter abdecke, zuendet dein eh schon famoses portrait nochmal einen turbo.
    aber fakt ist … sehr wundervolle lichtbilder!! deine portraits sind sowieso genial!
    ideenreiche gruesse!
    j.a.

  4. Ich danke dir! Deine Worte dürfen erstmal ankommen und wirken, freue mich sehr über diese und wie du das Bild beschrieben hast. Hab einen guten Start in den Tag…und es ist spannend, wie ein Bild aufeinmal auf einen selbst anders wirkt 😊

  5. Hallo liebe Nicole, das finde ich ein richtig spannendes Thema! Und toll auch, sich dafür Zeit zu nehmen! Das ist es ja, warum ich auch so gerne fotografiere: weil man sich Zeit nimmt… irgendwie ist das aber nicht immer so leicht und manchmal geht selbst das Fotografieren und Betrachten von Bildern schneller als man sich das wünscht… … und gerade das Betrachten von anderen Fotos bringt einen doch auch weiter! Danke, dass du „nur“ zwei Fotos zur Auswahl stellst aus zwei Themengebieten (Natur und Porträt), so dass man nicht allzu sehr der Qual der Wahl unterliegt;-)…
    Zu deinen Fotos: für die Betrachtung hat mich Bild 2 direkt „angesprungen“. Das Foto habe ich mir einzeln auf den Desktop gerufen und auf mich wirken lassen. Mein Blick fällt direkt ins Licht, also Gesicht. Der Rand ist so dunkel, dass er eine Art Rahmen bildet, was mir gut gefällt. Die Blume, die auf der rechten Schulter nach vorne zeigt, bildet für mich von der Schulter ausgehend über die Augen schweifend eine aufsteigende Diagnole. Vielleicht gibt das dem Bild das Positive, auch wenn es durch Farbgebung und Mimik auf mich eher melancholisch wirkt. Die Augen sind im oberen Drittel mittig, ich schaue also hoch – auch das wirkt vielleicht auf den doch positiven Gesamteindruck ein? Der Gesamteindruck des Bildes ist etwas mystisch, sehr harmonisch, weich und weiblich (warme Farbgebung, runde Formen (Gesicht, Locken, Blumen)) , aber trotzdem kraftvoll. Die Augen strahlen, sind fast stechend, berühren mich als Betrachter. Das Grün steht im Kontrast zu den roten Lippen, beides betont sich gegenseitig. Der Schatten im Gesicht… da bleibe ich hängen. Es macht zwar etwas mystisches und spannendes mit dem Bild, ich bin mir aber nicht sicher, ob mich der Schatten von dem Ast, der über die Lippen fällt und der Schatten“klecks“ am Kinn, stört… ? Allerdings weiß ich keine andere Lösung und der Schatten fällt nun mal so… bei der ersten Betrachtung hat der Schattenfall nicht gestört, weil ich auf die Augen schaue, beim genauen Hinsehen fing er an, mich zu stören, als ich länger geguckt habe, löste sich das wieder auf… … Dahingegen mag ich diesen sternförmigen Schatten an der Schläfe sehr!
    Sehr spannend, sich mal länger EINEM Foto zu widmen! Vielen Dank für die Inspiration!

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